you are shot. |
magisches theater its as if all the rest were but wrappages and hulls |
Seit gestern ruft Angela Merkel ganz empört zum Kampf gegen den “Hass auf das Andersartige” auf. Ich rufe ganz empört zum Kampf gegen eine heuchlerisch anmutende Anteilnahme und reaktionäres Gelaber auf.
Denn ich frage mich, mit wem will man denn gegen den “gemeinsamen Feind” kämpfen? Seit letztem Jahr ist Multikulti doch “tot” und jeder, der das christliche Menschenbild nicht akzeptiert, ist in Deutschland “fehl am Platze”. Was schließen wir daraus? Christen gegen fremde Kulturen in Deutschland kämpfen gegen Fremdenhass? Ist das glaubwürdig und überzeugend? Nein.
Und Achtung! Wenn man den Attentäter und sein “Manifest” ganz spontan und unreflektiert in solche Richtungen zurückweist und als extremistisches und verabscheuungswürdiges Gedankengut deklariert, sollte einem bewusst sein, dass sich in diesem Text Sätze wiederfinden, die den Äußerungen der eigenen Partei zum Thema Leitkultur und Multikulturalismus sehr ähnlich sind.
Anders Behring Breivik: “Wir müssen den Multikulturalismus zerstören, ihn auflösen, ihn deligitimieren und seine selbstzerstörerische Utopie sichtbar machen”
Zum Glück fällt das keinem auf. Wir haben ja keine freien Medien. Die blamieren sich lieber kurz nach dem Anschlag mit mutmaßenden Artikeln, in welchen sie sich ganz sicher sind, dass die Terroranschläge von Islamisten ausgeübt wurden. Zu früh gefreut. Aber wenn es nicht die Islamisten waren, dann waren es eben, mal wieder, die Nazis/ das Internet/ die Freimaurer. Dass es sich um einen Täter aus der Mitte der Gesellschaft handelt, der eben “nur” christlich-fundamentalistisch motiviert ist und sehr brutale, krankhafte Phantasien hat, macht eben nicht so viel her und würde ein selbstkritisches Hinterfragen der eigenen Werte fordern… Aber mit dem Stichwort “Medienfreiheit” wären wir ja dann auch schon bei der nächsten Frage:
Mit welchen Mitteln dem ganzen begegnen? Klar, Vorratsdatenspeicherung. Wie auch sonst, denn wenn man jetzt nochmal an das Täterprofil denkt: Es handelt sich um jemanden, der gegen die unsichere, offene und freie Gesellschaft in Norwegen ist. Hilfreich ist da sicherlich, wenn man etwas gegen die unsichere, offene und freie Gesellschaft unternimmt.

Soviel dazu.
*edit: Für mich steht außer Frage, dass der Täter ein kranker Mann war und unterstelle der CDU auch keineswegs, dass ihre Auffassungen genauso extrem und brutal sind wie die Breivik. Es geht hier lediglich darum, die übereilte Reaktion der Medien, den kritiklose Umgang mit den eigenen Werten und die daraus resultierende oberflächliche und unreflektierte öffentliche Diskussion darzustellen.